re:cap – eine humoristische Zusammenfassung Deutschlands größter Geek-Konferenz

Impressionen der re:publica 2017

Es ist geschafft: Drei anstrengende und doch wunderbare Tage auf der re:publica in Berlin sind schon zu Ende. Die Konferenz für alle, die irgendwas mit Medien machen, fand bereits zum 11. Mal statt und auch in diesem Jahr war die aufgeweckteste Agentur aus Düsseldorf mit dabei. Vom 8. bis zum 10. Mai haben Charlotte, Dennis, Louisa und Romina verschiedenste Sessions besucht, Trends gesichtet, Bingo gespielt und die Karaoke-Bühne abgerissen, die Finger wund getweetet, ehemalige Kolleginnen getroffen, massenhaft Fritten und Falafel verschlungen, Gewinne abgesahnt und neue Storytelling-Welten erschlossen.

Prolog

Bereits am Morgen des 7. Mai versammelten sich unsere Protagonisten am Düsseldorfer Hauptbahnhof. Die Luft klar, das Ziel ebenso. Sie sollten noch am selben Nachmittag ihr bourgeoises Domizil im szenischen und sonnigen Berlin Mitte beziehen. Ein Viertel, oder Kiez (wie der gemeine Berliner sagt), das sich durch seine vergleichsweise hohe Sauberkeit und die ebenso hohe Dichte an Lokalitäten, die der Durchschnittsbürger dem Hipstertum zurechnen würde, auszeichnet. Die Fahrt dahin verlief problemlos, war jedoch noch länger als mein letzter Satz. Nach einem kurzen Begehen des Lofts, das sich in den Räumlichkeiten der ehemaligen Josty-Brauerei befindet, ging es gleich nach draußen, die letzten Sonnenstrahlen genießen, bevor diese sich in den nächsten Tagen eher berlintypisch verhielten und den grauen Wolken wichen. Berlin war entgegen Dennis Vorurteilen erfrischend schön. Großflächige Graffiti-Kunst und sich an ihnen hochrankender Efeu hübschte die grauen Nachkriegsbauwerke auf. Auf einem kleinen Platz durchzogen gigantische Seifenblasen gepaart mit Kinderlachen die warme Berliner Abendluft. Wenige Meter weiter misslang der Versuch eines Selfies unserer vier Helden mehrfach. Sie ergaben sich ihrem Schicksal und setzten ihre Reise fort. Diese führte sie zum vermeintlich besten Falafelmann von ganz Berlin und schließlich zurück ins Loft.

 

Akt 1

Eintrittsbändchen zur re:publica 2017

Die Eintrittskarte ins Glück: unsere Eintrittsbändchen zur re:publica 2017

Der erste Tag der re:publica hielt einige Überraschungen – positiv wie negativ – für unser Team bereit. Schon im Vorfeld hatten sich die vier überlegt, welche Sessions interessante Einblicke in gesellschaftspolitische, kulturelle, psychologische und mediale Themen bieten könnten. Entsprechend gestaltete jeder seinen individuellen Stundenplan. Nach den ersten Sessions kristallisierte sich schnell heraus, dass analog zu den Social-Media-Auftritten der vielen anwesenden Medien auch deren entsprechende Vorträge/Panels/Präsentationen häufig getreu dem Motto „Überschrift vor Inhalt“  präsentiert wurden, Stichwort: Clickbait. Während Charlotte hochemotionalen Vorträgen von Journalisten, die mit fehlender Pressefreiheit zu kämpfen haben, (u.a. Can Dündar) lauschte, befanden sich Romina, Dennis und Louisa in einem Panel zum Thema Community Management. Hier wurde vor allem die Hochnäsigkeit, mit der anscheinend viele Community Manager ihrem Job nachgehen, mit ebendieser angeprangert. Long story short: Die als Negativbeispiele herausgestellten Social-Media-Redaktionen der Welt und BVG waren mit ihren Vertretern selbstverständlich vor Ort und wussten sich in der nachfolgenden offenen Dis(s)kussionsrunde, die erkenntnisreicher war, als das vorangegangene Panel, schlagfertig zu verteidigen.

Der restliche erste Tag verlief eher schleppend. Das Gefühl, mit falschen Erwartungen angereist zu sein, verdichtete sich. Dennis kam bei den Panels zu den deutschen TV-Produktionen zu Jerks (mit Christian Ulmen) und 4 Blocks (mit Khodr Kida Ramadan) am Montagabend dennoch voll auf seine Kosten.

Da Romina, Louisa und Charlotte schon vorher abgereist waren, um dem etwas enttäuschenden ersten re:publica-Tag wenigstens noch etwas Positives abgewinnen zu können, trafen sie sich im luxuriösen Rückzugsort mit der ehemaligen Wake up Kollegin Doro. Der Plan war, sich auf den Weg zu machen, Berlins vielschichtige kulinarische Expertise auf die Probe zu stellen. Der Berliner Abend war kalt und windig. Nicht unbedingt die besten Voraussetzungen für einen abendlichen Spaziergang. Dennis war inzwischen wieder zur Gruppe hinzugestoßen, als sie endlich an ihrer Destination eintrafen: einem weitereren Falafelmann. Die Gruppe versprach sich viel von den orientalischen Köstlichkeiten, denn das Lokal war so prall gefüllt, dass sie draußen in der bitteren Kälte über 20 Minuten lang warten mussten, bis sie endlich mit ihrer Bestellung an der Reihe waren. Nachdem sie sich schnell zurück in die vorrübergehend eigenen vier Wände begaben und ihre Tüten gefüllt mit allerhand orientalischen Leckerein öffneten, kam es zum Eklat! Denn es kam, wie es kommen musste: Gerade Dennis, der als einziger zufrieden war mit seinem re:publica-Debut, bekam das falsche Essen serviert. Anstelle der von ihm bestellten Falafel, bekam er eine große Portion Okraschoten. OKRASCHOTEN! Der nächste Tag konnte nur besser werden.

Akt 2

Treppe mit Motto

Die Treppe mit dem diesjährigen Motto war das wohl meistfotografierte Motiv

Und das wurde er auch. Für den vom letzten Abendessen noch immer stark gebeutelten Dennis begann dieser mit einem Panel über Rechtsextremismus, moderiert von Motherboard Chefredakteur Max Hoppenstedt. Währenddessen verfolgten Charlotte und Louisa die brillante Idee, sich nicht länger von spannenden Session-Titeln blenden zu lassen, sondern stattdessen einfach alle Sessions auf Stage 1 zu besuchen. Eigentlich ein No-Brainer, schließlich spielen die Headliner bei Festivals auch auf der Main Stage. Dieses System sollte sich bewähren. Romina verbrachte den Tag größtenteils bei Frau Hölle. Mit ziemlicher Sicherheit ihr Highlight der gesamten re:publica. (Ihr tatsächliches Highlight war der Talk vom NY Times Videojournalist Adam B. Ellick, Anm. d. Red.) Ähnlich ging es Dennis als er gemeinsam mit Louisa und Charlotte zum traditionellen Bingo ging. Denn dieses wurde von Nilz Bokelberg, Maria Lorenz und Herm, drei Vierteln seines Lieblingspodcasts Gästeliste Geisterbahn, moderiert. Die liebevoll und fachmännisch gestaltete Powerpoint-Präsentation, mit deren Hilfe die drei re:publica-Koryphäen den Abend einleiteten, ließ ihn Tränen lachend zurück. Charlotte und Louisa waren zu Anfang ein wenig perplex, ob der skurrilen Darbietung, konnten sich nach einer kurzen Eingewöhnungszeit jedoch schnell darauf einlassen und hatten sichtlich Spaß. Den Frust beim Bingo leer ausgegangen zu sein, ertränkten die drei mit wenig Bier (da sehr teuer), sowie anderen Getränken auf der nachfolgenden re:publica-Party. Dazu zählte der „Gin des Lebens“, den sie Chefin und Ginhaberin von Wake up Communication, Nadja Amireh, zu Ehren genüsslich verzehrten.

Da Dennis nach den zahlreichen Getränken das gleiche drohte, wie dem internationalen Immobilienmarkt (platzende Blase), machte er sich auf, alles Menschenmögliche zu tun, um das zu verhindern: Er ging auf die Toilette. Auf dem Weg zurück erspähte er adlergleich einen zweiten Partyraum, der noch voller zu sein schien, als der eigentliche. Es dauerte nicht lange, ehe sich für ihn erschlossen hatte, was dort vor sich ging. Nur wenige Minuten später und genervt vom Beat der elektronischen Musik in der Partyhalle, an dessen Klang Charlotte sich noch am nächsten Tag erfreute, fanden sich unsere Helden auf der Karaokebühne vor geschätzten 400 betrunkenen re:publicanern (vergleichbar mit denen im US-Parlament, nur zivilisierter) wieder und performten den Klassiker „Everybody“ der legendären Backstreet Boys. Die Menge tobte.

Mit diesem absoluten Highlight von Tag zwei, fand dieser auch sein Ende. Um circa 2 Uhr waren Louisa, Dennis und Charlotte dann auch zurück in ihrem Apartment, in dem sie schon mit ihrem Betreten Romina aus dem Schlaf rissen. Nach einem kurzen Absacker ging es dann ins Bett, schließlich war ja auch Dienstag.

 

Akt 3

Der Morgen des 10. Mai war geprägt von Müdigkeit gepaart mit den Glücksgefühlen, sich bei der gestrigen Karaoke-Session nicht bis auf die Knochen blamiert zu haben, nachdem Louisa die Videoaufnahme (s.o.) des Auftritts zugespielt bekommen hatte. Die Erleichterung war groß. Die Vorfreude auf den bevorstehenden Tag eher weniger, da im Gegensatz zum Vortag das Gefühl, das Beste bereits gesehen zu haben, vorherrschte. Entsprechend erreichte die Gruppe das Gelände der re:publica und folgte einem weiteren Geistesblitz von Charlotte. Schließlich hatte sie bereits am Tag zuvor entdeckt, dass die mytaxi-App einen Kaffeestand außerhalb des Konferenzgeländes sponsorte, bei dem man feine Heißgetränke aus der Siebträgermaschine kostenlos verzehren konnte. Nach einer ordentlichen Dosis Koffein konnte der Endspurt dann losgehen. Das Highlight des letzten Tages, ein Vortrag von Bundesinnenminister Thomas de Maizière, blieb Charlotte und Dennis allerdings verwehrt. Aufgrund von Überfüllung des Saales, wurde ihnen die Tür vom mäßig freundlichen Platzanweiser vor der Nase zugeschlagen. Bitter. Aber auch andere Mütter haben schöne Töchter und so gesellten sich die beiden zu Louisa und Romina, die einer Speakerin der deutschen Telekom zum Thema Datenschutz lauschten. Dies sollte sich im Nachhinein als gute Entscheidung herausstellen, denn wenn man der Twitter Community Glauben schenken darf, ach seht selbst:

 

 

 

 

 

 

 

Zum Abschluss des Tages und der gesamten re:publica gab es für unsere vier Helden noch das Panel „Gründung eines Medien-Startups“, bei dem unter anderem Edition-F-Mitgründerin Nora-Vanessa Wohlert von ihren Erfahrungen berichtet hat.

Anschließend ging es heimwärts, in einem ICE, der so voll war, dass Louisa, Romina und Charlotte die ersten anderthalb Stunden der Fahrt auf dem Boden des Ganges (vom ICE, nicht vom Fluss) verbringen mussten. Lediglich Gentleman (!) Dennis bekam einen regulären Sitzplatz und das auch nur, weil einer der zahllosen Passagiere (Betonung liegt auf Gier) nicht zu dem von ihm gebuchten Platz gekommen war. Dennis vermochte es, sein Privileg zum Allgemeinwohl umzumünzen, in dem er sich gleich an die Verschriftlichung seiner Gedanken zu den letzten Tagen in Form dieses Blogartikels machte und somit seinen geschätzten Kolleginnen eine stressfreie Heimreise ermöglichte. Welch Kavalier.

Übrigens: Fachlicher Input kam bei der re:publica nicht zu kurz. Selbstverständlich wurden alle aktuellen Trends wie Virtual Reality und Storytelling in allen Formen von unserem fantastischen Team aufgenommen.

1 Kommentar

  • 14. Mai 2017 11:14

    Lieber Dennis,

    da ich das Plädoyer für anständiges Community Management zu verantworten habe, möchte ich an dieser Stelle gerne eine Aussage in Deinem Artikel korrigieren, die uns persönlich sehr wichtig ist.

    Wir haben die Welt und den BVG nicht als generell schlechte Beispiele genannt – im Gegenteil.
    Im Falle der Welt hat Lutz einen für ihn persönlich wichtigen Einzelbeitrag vorgestellt und genau erläutert, warum er genau diesen für nicht gut hält. Später in der Diskussion haben wir sogar noch verdeutlicht, dass es sich um ein Einzelbeispiel handelt, wir das CM insgesamt positiv beurteilen und sogar einen Fan in unseren Reihen haben.
    Im Falle der BVG kam das Beispiel aus dem Publikum und wir wurden gefragt, ob wir gut finden würden, wenn u.a. auf Serviceanfragen ironisch reagiert wird. Ironische Reaktionen im Servicefall haben wir allgemein als negativ bewertet, aber auch hier nicht gesagt dass wir das CM des BVG insgesamt schlecht bewerten.

    Viele Grüße
    Vivian

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